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Aktualisiert am: 20. August 2007

Beschneidung

Die Beschneidung hatte in Ägypten bereits lange Tradition, ehe das Land im 7. Jahrhundert islamisiert wurde. Dem jüdischen Brauch entsprechend und Christus folgend, hatten die christlichen Kopten alle männlichen Kinder spätestens bis zum sechsten Lebensjahr, selten auch erst als Erwachsene, beschneiden lassen (nach der biblischen Überlieferung wurde Abraham erst mit 99 Jahren beschnitten). Der Eingriff symbolisiert die kultische Reinigung eines Menschen. Auch der Islam verlangt die Beschneidung von Jungen. Für den Eingriff sprechen neben religiös-kultischen Motiven heute medizinische Gründe, nämlich die Vermeidung von Phimose. Die vor allem auf dem Land und in unteren Bevölkerungsschichten verbreitete Mädchenbeschneidung - sie ist in 40 Ländern üblich - hat ihre Wurzeln in der Pharaonischen Zeit und wird vom Islam keineswegs gefordert. Die AI-Azhar-Universitätsmoschee, oberste Instanz in Islamfragen, hat, wie auch der koptische Patriarch, deutlich darauf verwiesen, dass es weder im Islam noch im Christentum Gründe gebe für eine Beschneidung der weiblichen Geschlechtsorgane. Die »Operation« wird bei den Mädchen im Alter von fünf bis sechs Jahren vorgenommen. Dabei wird die Scheide am oberen Ende eingeschnitten, oder Klitoris und/oder Schamlippen werden teilweise oder ganz entfernt. Den Kindern erklärt man, es werde etwas Unreines entfernt. Den Eingriff führt meist eine Hebamme aus. Anders als die Arbeit des Barbiers, der Jungen beschneidet, genießt ihr Handwerk wenig Ansehen. Der Staat steckt im Zwiespalt: Erlaubt er die Mädchenbeschneidung durch Ärzte, verstößt er gegen Menschenrechte, verbietet er die Operation im Krankenhaus, treibt er die Mädchen in die Hände von Hebammen, deren Methoden zusätzliche Gesundheitsgefahren mit sich bringen. Die ägyptische Frauenrechtlerin Nawal es-Saadawi prangerte als Erste öffentlich die Beschneidung von Mädchen an. Denn damit versuche eine Männergesellschaft, die ohnehin als Objekt betrachtete Frau ihrer Lust zu berauben und sie vollends zur Gebärmaschine zu degradieren. 1987 begann die Coptic Evangelical Organisation for Social Services in oberägyptischen Dörfern eine weithin beachtete Aufklärungskampagne gegen die Beschneidung von Mädchen. Das ägyptische Fernsehen flankierte die Aktion mit einer Reihe von TV Spots. In einigen Dörfern wurden danach zwischen 30 und 50 Prozent weniger Mädchen beschnitten.

Obwohl die Verstümmelung der Frau am Geschlechtsorgan heute "Pharaonische Beschneidung" heißt, ist es nicht gesichert, ob es diese grausame Tat auch im alten Ägypten gab. Antike Quellen sprechen zwar von der Beschneidung, so auch Herodot, aber er verschweigt, ob dieser Eingriff bei beiden Geschlechtern vorgekommen ist. Archäologisch ist zumindest nur die Beschneidung des Mannes erwiesen, die in Bildern ausreichend dokumentiert worden ist. Bisher fand sich bei keiner Frauenmumie eine derartige Verstümmelung. Auch wenn man sich die Stellung der Frau näher ansieht, fällt es schwer zu glauben, dass derartiges im alten Ägypten vorgefallen ist.

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